Neustadter Liedertafel und die Cantoria Mâcon feiern am Pfingstsonntag mit einem gemeinsamen Konzert im Saalbau
Von Annegret Ries (Artikel in der Rheinpfalz am 20.5.2010)
Neustadt. Zwei Chöre, die getrennt ein Konzertprogramm einstudieren, einmal miteinander proben und dann gemeinsam auftreten. Das praktizieren der Philharmonische Chor Liedertafel Neustadt und die Cantoria Mâcon bereits seit 40 Jahren. Mit einem Festkonzert am Pfingstsonntag wird das Jubiläum dieser Chorpartnerschaft gefeiert. Die gemeinsamen Konzerte sind die eine Seite dieser Partnerschaft, die andere Seite sind freundschaftliche Kontakte der Chormitglieder.
Die Pfadfinder sind der Ursprung der Beziehung zwischen den beiden Chören. Nachdem 1956 Neustadt und Mâcon eine Städtepartnerschaft schlossen, entstanden Kontakte zwischen den Pfadfindern beider Städte. Auf französischer Seite war hier Georges Weirich aktiv, auf deutscher Seite Karlheinz Nestle. Zwischen den beiden entwickelte sich eine Freundschaft. Als Weirich 1969 Vorsitzender des Mâconer Chors „Cantoria" wurde und Nestle 1970 stellvertretender Vorsitzender und Chor-Obmann der Liedertafel, „da beschlossen wir auch mit den Chören eine Partnerschaft einzugehen", erinnert sich Nestle.
Damals sei der Kontakt mit einem Chor aus einem anderen Land noch „etwas absolut Neues" gewesen, erinnert sich Nestle. Er ist stolz darauf, dass er diese Verbindung geschaffen hat. „Das ist eines der wichtigsten Dinge, die ich für die Liedertafel entwickelt habe", so Nestle, der sich als „Außenminister" der Liedertafel bezeichnet. Er habe sich immer „mit viel Engagement und Herzblut" für die Pflege der Partnerschaft eingesetzt. Das gleiche gelte für seinen Freund Georges Weirich, der 1994 gestorben ist.
Ende Oktober 1971 fuhren die Aktiven der Liedertafel erstmals nach Mâcon, um dort mit dem französischen Chor ein gemeinsames Konzert zu geben. Beide Chöre hatten das Programm zuvor einstudiert und in Mâcon gab es dann eine gemeinsam Generalprobe. Genau nach diesem Muster haben die beiden Chöre inzwischen fast 50 gemeinsame Konzerte erarbeitet. „Es ist wichtig, dass beide Chöre die Stücke gut können", nennt Nestle eine wesentliche Voraussetzung für diese Art der Zusammenarbeit. Zudem hätten beide Chöre das gleiche Qualitätsniveau und seien in etwa gleich groß.
Das Te Deum von Wolfgang Amadeus Mozart und die Fantasie op. 80 von Ludwig van Beethoven standen bei dem ersten gemeinsamen Konzert in Mâcon auf dem Programm. Sie werden auch beim Festkonzert am Pfingstsonntag gesungen. „Wir haben inzwischen fast die gesamte gängige Chorliteratur gemeinsam gesungen", so Nestle. Die IX. Sinfonie von Ludwig van Beethoven und die Carmina Burana von Carl Orff nennt er als musikalische Höhepunkte. Der Messias von Händel, die Haydn-Oratorien, Bachkantaten, Messen von Rossini, das Requiem von Jean Gilles, „L"Enfance du Christ" von Hector Berlioz sind einige weitere der gemeinsam aufgeführten Werke.
In der Regel steht jedes Jahr ein Partnerschaftskonzert auf dem Programm, das sowohl in Neustadt als auch in Mâcon aufgeführt wird. Gesungen wird in deutsch, französisch oder lateinisch. Da kann es schon einmal vorkommen, dass auf der Busreise nach Mâcon noch einmal der Text eines französischen Liedes Satz für Satz so lange wiederholt wird, bis jeder ganz textsicher ist.
Bei weitem nicht alle Sängerinnen und Sänger beherrschen die jeweils andere Sprache. „Von unseren Leuten können mehr französisch als die Franzosen deutsch", weiß Nestle. Trotzdem habe die Verständigung in all den Jahren immer gut geklappt.
„Wichtig ist der persönliche Kontakt", betont Nestle. Der werde dadurch gefördert, dass die Sängerinnen und Sänger grundsätzlich bei den Mitgliedern des anderen Chors und nicht in Hotels untergebracht werden. Zu jedem Treffen gehören auch gesellige Aktivitäten wie Ausflüge, Weinproben, Feste, gemeinsame Essen. Zwischen vielen Mitgliedern beider Chöre seien auch private Kontakte entstanden und auch Beziehungen habe es im Lauf der Jahre gegeben. Zu einer Hochzeit habe es allerdings nie gereicht, bedauert Nestle.

Zum Funktionieren der Chor-Partnerschaft habe auch beigetragen, dass sie immer von den Dirigenten beider Chöre unterstützt worden sei, betont Nestle. Auf deutscher Seite gab es hier nur einmal einen Wechsel, als 2001 Hans Jochen Braunstein auf Gerhard Koch folgte. Bei der „Cantoria" ist es in den Jahren der Partnerschaft inzwischen der fünfte Dirigent. Das liegt auch an der anderen Struktur des Chores. Der ist an die Musikschule in Mâcon angebunden und deren Leiter ist in der Regel auch der Chorleiter. Mit Eric Geneste wird an Pfingsten erstmals der neue Chorleiter der „Cantoria" in Neustadt sein.
Für Nestle wird das Festkonzert die letzte von ihm organisierte Partnerschaftsaktion sein. Seinen Sitz im Vorstand hat er schon vor einiger Zeit abgegeben, nun will er sich auch als „Außenminister" zurückziehen. Die Chorsprecherin Brigitta Utech wird sich zukünftig um die Pflege der Partnerschaft kümmern. Das nächste Treffen ist bereits geplant, Anfang November wird das Programm des Festkonzerts in Mâcon gesungen.
Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Mittelhaardter Rundschau
Ausgabe: Nr.115
Datum: Donnerstag, den 20. Mai 2010
Seite: Nr.24
"Deep-Link"-Referenznummer: '6404610'
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Aktualisiert (Montag, den 28. Juni 2010 um 15:19 Uhr)